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ADHS bei Kindern und Jugendlichen: Symptome erkennen

ADHS bei Kindern und Jugendlichen: Wie Eltern erkennen die Symptome von ADHS Unaufmerksamkeit, Unruhe und Impulsivität.

ADHS bei Kindern und Jugendlichen stellt Eltern vor konkrete Herausforderungen im Alltag. Dieser Artikel konzentriert sich darauf, die Symptome zu erkennen und zu verstehen, was im Gehirn der betroffenen Kinder und Jugendlichen tatsächlich passiert. Die Diagnose ADHS und deren Behandlung werden in separaten Artikeln ausführlich behandelt.

Was ist ADHS?

Ein Kind zappelt mit einem Bleistift an einem Schuldesk

Definition und die drei Kernsymptome

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Die drei Kernsymptome, die bei ADHS auftreten, sind:

Kernsymptom Manifestation bei Kindern
Unaufmerksamkeit Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit, Flüchtigkeitsfehler
Hyperaktivität Motorische Unruhe, Zappeln, Unfähigkeit stillzusitzen
Impulsivität Handeln ohne nachzudenken, andere unterbrechen

Diese Kernsymptome beeinträchtigen schulische Leistungen, das soziale Miteinander und die Fähigkeit zur Gefühlsregulation. Wenn bei Kindern hauptsächlich Unaufmerksamkeit im Vordergrund steht und Hyperaktivität fehlt, spricht man von ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom). Etwa zwei bis sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind von ADHS betroffen.

Wie entsteht ADHS? Ursachen und genetische Veranlagung

Die Ursachen von ADHS sind noch nicht vollständig geklärt. Die genetische Veranlagung spielt jedoch eine zentrale Rolle bei der Entstehung von ADHS. Studien zeigen Veränderungen im Dopamintransport und -abbau im Gehirn – der Botenstoff Dopamin wird anders verarbeitet als bei neurotypischen Kindern.

Faktoren, die bei der Entstehung von ADHS eine Rolle spielen:

  • Genetische Veranlagung (größter Einflussfaktor)
  • ADHS tritt oft gehäuft in Familien auf
  • Neurologische Unterschiede in der Gehirnstruktur
  • Veränderungen im Botenstoff-Haushalt (insbesondere Dopamin)
  • Komplikationen während der Schwangerschaft (als möglicher Risikofaktor)

Wichtig: Erziehungsfehler allein verursachen kein ADHS. Die genetische Komponente ist ausschlaggebend. Gestörte Familienstrukturen können allerdings zur Verstärkung der Symptome beitragen, wenn die Ressourcen für einen funktionalen Umgang mit ADHS fehlen.

Entwicklung und Verlauf im Kindesalter und Jugendalter

ADHS beginnt im Kindesalter – die ersten Fälle von ADHS fallen meist im Kindergarten oder in der Grundschule auf. Die Symptome verändern sich jedoch im Laufe der Entwicklung erheblich:

Veränderungen vom Kindesalter zum Jugendalter:

Altersphase Typische Symptom-Ausprägung
Kindergarten/Grundschule Ausgeprägte motorische Unruhe und Hyperaktivität
Jugendalter Abnahme der äußeren Hyperaktivität, Zunahme innerer Unruhe
Erwachsenenalter Etwa 50% behalten Symptome, oft in veränderter Form

Ältere Jugendliche und Erwachsene sind oft weniger hyperaktiv nach außen, verspüren aber intensive innere Unruhe. Der Verlauf von ADHS ist individuell – bei manchen schwächen sich die Symptome stark ab, bei anderen bleiben sie bis ins Erwachsenenalter bestehen. Eine frühzeitige Behandlung von ADHS und passende Alltagsstrukturen können den Verlauf positiv beeinflussen.

ADHS-Symptome bei Kindern erkennen

Ein Kind schaut aus dem Fenster, während die anderen im Unterricht arbeiten

Unaufmerksamkeit: Das häufig übersehene Symptom

Unaufmerksamkeit ist eines der Kernsymptome von ADHS bei Kindern und wird dennoch häufig übersehen oder als "Faulheit" fehlinterpretiert. Besonders bei Kindern mit ADS, die nicht hyperaktiv sind, wird dieses Symptom erst spät erkannt.

Typische Anzeichen von Unaufmerksamkeit:

  • Leichte Ablenkbarkeit durch unwichtige Reize
  • Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit auf eine Sache zu fokussieren
  • Häufige Flüchtigkeitsfehler bei Hausaufgaben
  • Aufgaben werden nicht zu Ende gebracht
  • Gegenstände gehen regelmäßig verloren
  • Vergesslichkeit bei alltäglichen Verpflichtungen
  • Desorganisation und Probleme bei der Planung
  • Lehrer bekommen nicht die angemessene Aufmerksamkeit

Die Unaufmerksamkeit kann leicht bis stark ausgeprägt sein und beeinträchtigt die schulischen Leistungen erheblich. Viele betroffene Kinder lassen sich extrem leicht ablenken – nicht aus mangelndem Willen, sondern weil die Filterfunktion des Gehirns nicht zuverlässig arbeitet.

Hyperaktivität und motorische Unruhe

Hyperaktive Kinder zeigen einen ständigen Bewegungsdrang. Die innere Unruhe muss sich nach außen entladen. Diese Hyperaktivität ist kein Zeichen von schlechter Erziehung, sondern ein neurologisches Symptom bei ADHS.

Manifestationen von Hyperaktivität bei Kindern:

  • Zappeligkeit mit Händen und Füßen
  • Unfähigkeit, ruhig sitzenzubleiben
  • Herumrennen oder Klettern in unpassenden Situationen
  • Lautstärke – hyperaktive Kinder sind oft auffällig laut
  • Ständiger Bewegungsdrang, selbst in Ruhezeiten
  • Probleme bei ruhigen Beschäftigungen

Kinder mit ADHS handeln oft impulsiv und hyperaktiv – nicht aus Bösartigkeit, sondern weil die Impulskontrolle neurologisch beeinträchtigt ist. Die motorische Unruhe und Hyperaktivität sind besonders im Kindergarten und in der Grundschule ausgeprägt.

Impulsivität: Handeln ohne nachzudenken

Impulsivität zeigt sich durch spontanes, unüberlegtes Handeln und Reden. Betroffenen Kindern fällt es schwer, Impulse zu kontrollieren – sie agieren, bevor sie die Konsequenzen überdenken können.

Typische impulsive Verhaltensweisen:

  • Anderen ins Wort fallen, Gespräche unterbrechen
  • Nicht abwarten können, bis sie an der Reihe sind
  • Antworten herausplatzen, bevor die Frage zu Ende gestellt ist
  • Unüberlegtes Handeln ohne Rücksicht auf Gefahren
  • Probleme, geduldig zu sein
  • Plötzliche Stimmungswechsel und emotionale Ausbrüche

Die Hyperaktivität und Impulsivität können das soziale Miteinander massiv beeinträchtigen. Andere Kinder reagieren oft ablehnend, was zu sozialer Isolation führen kann.

Symptome bei ADHS im Jugendalter: Was sich verändert

Im Jugendalter, besonders in der Pubertät, verändern sich die Symptome von ADHS deutlich. Etwa die Hälfte der Kinder mit ADHS haben auch im Erwachsenenalter noch Symptome – oft in veränderter Form.

Symptom-Entwicklung im Jugendalter:

SymptomVeränderungHyperaktivitätNimmt ab (äußerlich)Innere UnruheNimmt zuImpulsivitätBleibt oft bestehenUnaufmerksamkeitBleibt stark ausgeprägtEmotionale DysregulationWird oft stärker

Symptom Veränderung
Hyperaktivität Nimmt ab (äußerlich)
Innere Unruhe Nimmt zu
Impulsivität Bleibt oft bestehen
Unaufmerksamkeit Bleibt stark ausgeprägt
Emotionale Dysregulation Wird oft stärker

Die motorische Unruhe lässt bei Jugendlichen mit ADHS nach, wandelt sich jedoch in eine innere Unruhe um. Diese innere Anspannung ist für Außenstehende schwerer erkennbar, für die betroffenen Jugendlichen aber extrem belastend.

ADS: Die stille Variante von ADHS

Ein Teenager starrt auf ein leeres Heft, während Mitschüler arbeiten.

Diagnose ADS – wenn Hyperaktivität fehlt

Bei Kindern mit ADS (auch als "vorwiegend unaufmerksamer Typ" bezeichnet) ist Unaufmerksamkeit das dominierende Symptom. Der Unterschied zwischen ADHS und ADS liegt hauptsächlich in der Ausprägung der Hyperaktivität.

Merkmale von Kindern mit ADS:

  • Wenig Bewegungsdrang und körperliche Unruhe
  • Aufmerksamkeitsstörung und Konzentrationsschwäche im Vordergrund
  • Wirken eher verträumt und abwesend
  • Fallen deutlich weniger auf als hyperaktive Kinder
  • Werden oft später oder gar nicht diagnostiziert
  • Schulische Leistungen lassen nach, ohne dass die Ursache erkannt wird

Bei Kindern mit ADS bleibt tatsächlich ADHS häufig unerkannt, weil sie im Unterricht nicht stören. Sie sitzen ruhig, sind aber gedanklich woanders. Eltern sollten auf diese subtilen Anzeichen achten – auch wenn das Kind nicht hyperaktiv ist, kann eine Aufmerksamkeitsstörung vorliegen.

Die Diagnose ADS erfordert ebenso eine sorgfältige Abklärung durch Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Eine Verhaltenstherapie kann helfen, die Konzentration zu verbessern und die Symptome zu lindern.

Diagnose von ADHS bei Kindern und Jugendlichen

Ein Elternteil spricht mit einem Arzt an einem Schreibtisch in der Klinik

Wie wird ADHS diagnostiziert?

Es gibt keinen einzelnen Test, der ADHS eindeutig feststellt. Die Diagnose ADHS basiert stattdessen auf verschiedenen Bausteinen und erfordert eine umfassende Untersuchung.

Bausteine der Diagnosestellung:

  1. Ausführliche Anamnese (Gespräch über Vorgeschichte und aktuelle Symptome)
  2. Körperliche Untersuchung (um andere Ursachen auszuschließen)
  3. Testpsychologische Untersuchungen (standardisierte Fragebögen)
  4. Verhaltensbeobachtung in verschiedenen Settings
  5. Familienanamnese (Fälle von ADHS in der Familie)
  6. Gespräche mit Eltern, Lehrern, Erziehern

Die Ärztin oder der Arzt erkundigt sich auch nach Erkrankungen in der Familie, insbesondere ob ADHS bei blutsverwandten Personen vorkommt. Mehrere Untersuchungstermine sind in der Regel notwendig, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen und ADHS sicher festzustellen.

Die Diagnose ADHS basiert auf den Kriterien des ICD-10 (Internationale Klassifikation von Krankheiten). Im ICD-11 wird ADHS als neuronale Entwicklungsstörung eingeordnet. Insbesondere wenn die Symptome stark ausgeprägt sind und über mindestens sechs Monate bestehen, sollte eine diagnostische Abklärung erfolgen.

Die zentrale Rolle der Eltern bei der Diagnose

Eltern spielen eine zentrale Rolle bei der Diagnose von ADHS bei ihren Kindern. Besonders bei jüngeren Kindern ist die ausführliche Befragung der Eltern ein wesentlicher Bestandteil. Bei Jugendlichen findet zusätzlich ein separates Gespräch statt.

Was Eltern beobachten und mitteilen sollten:

  • Ist das Kind vergesslich und leicht ablenkbar?
  • Kann es sich nur schwer konzentrieren?
  • Klettert es häufig auf Gegenstände?
  • Unterbricht und stört es oft andere?
  • Gibt es viele Wutausbrüche?
  • Wirkt das Kind verträumt und abwesend?
  • Fallen Probleme in mehreren Lebensbereichen auf (Zuhause, Schule, Freizeit)?

Eltern erkennen ADHS oft früher als Außenstehende, weil sie ihr Kind im Alltag am besten kennen. Diese Beobachtungen sind für die Diagnosestellung wertvoll.

Idealerweise werden auch Lehrerinnen, Lehrer oder Erzieherinnen einbezogen, da sie das Verhalten des Kindes im Kindergarten oder in der Schule beurteilen können. Sie können einen Fragebogen ausfüllen und so zur Diagnostik beitragen. Lehrkräfte unterliegen der Schweigepflicht und dürfen Informationen nicht ohne Zustimmung weitergeben.

Wann sollte man einen Facharzt aufsuchen?

Wenn auffälliges Verhalten mindestens ein halbes Jahr lang bestehen bleibt, sollte dies durch einen Spezialisten abgeklärt werden. Eine frühzeitige Diagnostik ist wichtig, um den betroffenen Kindern und Jugendlichen die passende Unterstützung zukommen zu lassen.

Anlaufstellen für die Diagnostik:

  • Fachärztinnen bzw. Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie
  • Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde mit ADHS-Erfahrung
  • Kinder- und Jugendpsychotherapeuten
  • Spezialisierte ADHS-Ambulanzen

Sie können sich zunächst an die Kinderarztpraxis wenden. Für eine umfassende Diagnostik werden Sie dann an eine Facharztpraxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie überwiesen. Eine gründliche Abklärung durch einen Spezialisten ist wichtig, um andere Ursachen auszuschließen und Begleiterkrankungen zu erkennen.

Bleibt ADHS unerkannt, kann dies erhebliche Folgen haben. Das Risiko für das Kind, an ADHS zu erkranken und unbehandelt zu bleiben, bringt langfristige Nachteile in Schule, sozialem Leben und emotionaler Entwicklung.

Behandlung und Therapie von ADHS

Ein Erwachsener zeigt auf eine bunte Tagesplan-Tafel an der Wand, während ein Kind schaut.

Individuelle Therapieplanung nach der Diagnose

Nach der Diagnose von ADHS werden individuelle Therapieziele festgelegt. Die Behandlung von ADHS wird an die spezifischen Symptome, die Belastungen durch die Störung und das Alter des Kindes oder Jugendlichen angepasst.

Behandlungsansätze nach Alter:

AltersgruppeEmpfohlene ErstbehandlungUnter 6 JahrenPsychosoziale Maßnahmen, ElterntrainingSchulalterKombination: Verhaltenstherapie + ggf. MedikamenteJugendalterVerhaltenstherapie, Medikamente, Coaching

Altersgruppe Empfohlene Erstbehandlung
Unter 6 Jahren Psychosoziale Maßnahmen, Elterntraining
Schulalter Kombination: Verhaltenstherapie + ggf. Medikamente
Jugendalter Verhaltenstherapie, Medikamente, Coaching

Die Therapieplanung erfolgt in enger Abstimmung mit den betroffenen Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern. Regelmäßige Kontrollen helfen, die Fortschritte zu beurteilen und die Therapie anzupassen. Begleiterkrankungen werden ebenfalls behandelt.

Verhaltenstherapie: Der zentrale Behandlungsbaustein

Die Verhaltenstherapie zielt darauf ab, positive Verhaltensweisen zu fördern und problematisches Verhalten zu reduzieren. Bei der Erstbehandlung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS kommt oft eine Verhaltenstherapie zum Einsatz, manchmal in Kombination mit Medikamenten.

Was Verhaltenstherapie bei ADHS leistet:

  • Aufbau klarer Alltagsstrukturen
  • Erlernen von Strategien zur Impulskontrolle
  • Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit
  • Training sozialer Kompetenzen
  • Stärkung des Selbstwertgefühls
  • Reduktion von oppositionellem und aggressivem Verhalten

Die kognitive Verhaltenstherapie kommt häufig zur Anwendung. Die Therapie kann sich an die Familie, den Kindergarten oder die Schule richten – ein systemischer Ansatz ist oft am effektivsten. Eine digitale Verhaltenstherapie kann ebenfalls eine Option sein.

Bei stark ausgeprägten Verhaltensproblemen oder oppositionell-aggressivem Verhalten kann ein gezieltes soziales Kompetenztraining erforderlich sein.

Medikamentöse Behandlung bei ADHS

Wenn die Symptome stark ausgeprägt sind und den Alltag massiv beeinträchtigen, kann eine medikamentöse Behandlung in Kombination mit Psychotherapie sinnvoll sein. Die Therapie mit Medikamenten wird individuell entschieden und richtet sich nach Schweregrad, Alter und Begleiterkrankungen.

Wichtig: Medikamente allein lösen die Probleme nicht. Sie können die Symptome lindern und dadurch Verhaltenstherapie erst ermöglichen. Eine Kombination beider Ansätze zeigt die besten Ergebnisse.

Psychotherapie und weitere Unterstützungsangebote

Bei einer Psychotherapie geht es darum, die Symptome bei ADHS zu lindern und soziale Kompetenzen zu erweitern. Die ambulante Psychotherapie kann bei psychischen Erkrankungen helfen, und die Behandlungskosten werden von den Krankenkassen übernommen.

Ergänzende Angebote für Familien:

  • Elterntrainings und Elternratgeber
  • Familientherapie
  • Schulungen für den Umgang mit ADHS
  • Selbsthilfegruppen
  • Coaching für Jugendliche

ADHS in der Familie

Ein Kind lässt Spielzeug über den Boden verstreut liegen.

Erblichkeit und familiäre Häufung

Die Ursache von ADHS ist komplex, aber die genetische Veranlagung spielt die größte Rolle. Es ist nicht selten, dass Kinder von Eltern mit ADHS ebenfalls an der Störung leiden. ADHS tritt oft gehäuft in Familien auf – das Risiko für das Kind, an ADHS zu erkranken, ist deutlich erhöht, wenn ein Elternteil betroffen ist.

Die genetische Komponente erklärt, warum bei der Diagnostik immer auch die Familiengeschichte erfasst wird. Nicht selten wird bei der Abklärung eines Kindes auch bei einem Elternteil erstmals ADHS diagnostiziert.

Auswirkungen auf die gesamte Familie

Eine ausgeprägte ADHS kann das Leben des Kindes, seiner Eltern und Geschwister stark beeinträchtigen. Ein Kind mit ADHS großzuziehen, ist eine große Herausforderung für die betroffenen Kinder, Jugendlichen sowie für das gesamte Familiensystem.

Typische Belastungen:

  • Ständige Konflikte im Alltag
  • Probleme in der Schule
  • Streit mit anderen Kindern oder Angehörigen
  • Geschwister fühlen sich vernachlässigt
  • Eltern sind chronisch erschöpft
  • Beziehungen zu Erwachsenen sind belastet

Eine ausgeprägte ADHS ist für die ganze Familie eine Herausforderung. Gestörte Familienstrukturen können zur Verstärkung der Symptome beitragen, da die Ressourcen für einen funktionalen Umgang mit ADHS fehlen. Gleichzeitig kann ADHS die Familienstrukturen belasten – ein Teufelskreis entsteht.

Unterstützung für Geschwister

Die Geschwister von Kindern mit ADHS sind häufig belastet und fühlen sich vernachlässigt, weil weniger Zeit für sie bleibt. Es ist wichtig, auch ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen.

Unterstützungsangebote für Geschwister:

  • Eigene Aufmerksamkeit und Zeitfenster schaffen
  • Geschwister in altersgerechter Form über ADHS aufklären
  • Familientherapie, die alle einbezieht
  • Austausch mit anderen Geschwisterkindern in ähnlichen Situationen

Die Einbeziehung der Geschwister in die Therapie kann sinnvoll sein, um das Verständnis für die Störung zu fördern und Konflikte zu reduzieren. Elternratgeber und ADHS-Elterntrainings bieten hilfreiche Strategien.

Begleitende Themen bei ADHS

Oppositionelles Verhalten und Aggression

Viele Kinder mit ADHS zeigen oppositionelles Verhalten. Kinder mit ADHS handeln oft impulsiv und neigen dazu, Regeln und Autoritäten infrage zu stellen. Dies ist kein Zeichen von Bösartigkeit, sondern Teil der Impulskontrollproblematik.

Aggressive Verhaltensweisen können auftreten, besonders wenn Frustration entsteht. Ein soziales Kompetenztraining kann hier gezielt helfen.

Lügen bei Kindern mit ADHS

Manche Kinder und Jugendliche mit ADHS neigen zum Lügen – allerdings meist impulsiv und nicht aus Bösartigkeit. Häufig dient das Lügen dazu, unangenehme Situationen zu vermeiden oder spontane Erklärungen für Vergessenes zu liefern.

Das impulsive Lügen ist ein Symptom der mangelnden Impulskontrolle, nicht der moralischen Schwäche. In der Therapie kann daran gearbeitet werden.

Klauen und riskantes Verhalten

Bei stark ausgeprägter Impulsivität können auch andere Verhaltensauffälligkeiten auftreten, wie spontanes Klauen oder riskantes Verhalten. Kinder mit ADHS handeln oft impulsiv, ohne die Konsequenzen zu bedenken.

Dies sind Symptome der Störung, die in der Behandlung adressiert werden müssen. Eine klare Struktur und Verhaltenstherapie können helfen.

Begleiterkrankungen: LRS und weitere Störungen

Etwa 20-30% der Kinder mit ADHS haben zusätzlich eine Lese-Rechtschreib-Störung (LRS). Diese Komorbidität erschwert die schulische Situation zusätzlich. Weitere häufige Begleiterkrankungen sind:

  • Lese-Rechtschreib-Störung (LRS)
  • Dyskalkulie
  • Angststörungen
  • Depression (besonders im Jugendalter)
  • Soziale Verhaltensstörungen

Besonders bei Kindern und Jugendlichen mit mehreren Begleiterkrankungen ist eine umfassende Diagnostik und koordinierte Behandlung wichtig.

Stärken von Kindern mit ADHS

Ein Kind hebt schnell die Hand in einem lauten Klassenzimmer.

Trotz der erheblichen Herausforderungen haben viele betroffene Kinder auch besondere Stärken. Es ist wichtig, diese Stärken zu erkennen und gezielt zu fördern – nicht als Kompensation, sondern als reale Ressourcen.

Häufige Stärken bei Kindern mit ADHS:

  • Kreativität und Einfallsreichtum
  • Begeisterungsfähigkeit für interessante Themen
  • Hyperfokus bei spannenden Aufgaben
  • Spontaneität und Flexibilität
  • Ausgeprägtes Einfühlungsvermögen
  • Problemlösungsfähigkeit auf unkonventionellen Wegen
  • Hohe Energie bei motivierenden Tätigkeiten

Viele Jugendliche mit ADHS lernen, mit ihrer Störung umzugehen und leisten sowohl im familiären Umfeld als auch später im Beruf Überdurchschnittliches. Die Kreativität und der Einfallsreichtum können bei der Berufswahl von Vorteil sein.

Die Aufgabe ist nicht, ADHS "wegzumachen", sondern Strukturen zu schaffen, in denen diese Kinder ihre Stärken nutzen können.

Praktischer Umgang mit ADHS im Alltag

Was hilft Kindern mit ADHS konkret?

Der Umgang mit ADHS erfordert klare externe Strukturen – nicht mehr Motivation oder Disziplin. Wenn Willenskraft funktionieren würde, hätten betroffene Kinder längst keine Probleme mehr. Die Lösung liegt in Systemarchitektur, nicht in Appellen.

Strukturhilfen, die funktionieren:

  • Feste Tagesabläufe und Routinen
  • Klare, einfache Regeln (wenige, dafür konsequent)
  • Externe Erinnerungssysteme (Timer, Listen, visuelle Hilfen)
  • Reizarme Umgebung für Hausaufgaben
  • Regelmäßige Bewegungspausen
  • Feste Plätze für wichtige Gegenstände

Diese Systeme müssen auch an schlechten Tagen funktionieren. Flexibilität und Freiheit helfen Kindern mit ADHS nicht – sie brauchen Grenzen und Struktur.

Was Eltern über ADHS wissen sollten

Eltern, die Symptome erkennen, sollten professionelle Hilfe suchen. Betroffenen Kindern schwer fällt es, sich selbst zu regulieren. Sie brauchen externe Regulationssysteme.

Zentrale Erkenntnisse für Eltern:

  • ADHS ist keine Erziehungsschwäche
  • Die genetische Veranlagung ist ausschlaggebend
  • Disziplin und Motivation sind nicht die Lösung
  • Externe Strukturen und Systeme sind der Schlüssel
  • Eine Diagnose ist entlastend, nicht stigmatisierend
  • Behandlung wirkt – besonders die Kombination aus Verhaltenstherapie und Alltagsstrukturen

FAQ

ADHS erkennt man an den drei Kernsymptomen: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Betroffene Kinder fallen meist im Kindergarten oder in der Grundschule auf. Die Symptome müssen über mindestens sechs Monate bestehen und in mehreren Lebensbereichen auftreten.

Die Symptome von ADHS umfassen extreme Ablenkbarkeit, motorische Unruhe, Zappeligkeit, impulsives Handeln, Probleme beim Stillsitzen, Vergesslichkeit und Schwierigkeiten bei der Planung. Hyperaktive Kinder haben zudem einen starken Bewegungsdrang.

Etwa zwei bis sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben ADHS. Die Prävalenz liegt bei etwa 5% weltweit. Jungen werden häufiger diagnostiziert als Mädchen, was auch an unterschiedlichen Symptommustern liegt.

Ja. ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ohne Hyperaktivität) ist eine Form von ADHS. Bei Kindern mit ADS steht die Unaufmerksamkeit im Vordergrund, während Hyperaktivität fehlt. Diese Kinder wirken oft verträumt und werden später diagnostiziert.

Im Jugendalter, besonders in der Pubertät, verändert sich das Erscheinungsbild. Die äußere Hyperaktivität nimmt ab, die innere Unruhe und Impulsivität bleiben aber oft stark ausgeprägt. Emotionale Dysregulation wird häufig stärker.

Giuseppe Ruffo sitzend auf einer Mauer
Über den Author:

Giuseppe Ruffo

Gründer Ruffo.Life

Ich bin Giuseppe Ruffo, Gründer von Ruffo.Life und ADHS-Coach. Mein Weg war alles andere als geradlinig: Vom Schüler mit schlechten Noten zum Ingenieur, Unternehmer und Softwarefirmen-Gründer. Erst mit über 40 verstand ich, warum ich immer anders tickte – ADHS und Hochbegabung. Diese Erkenntnis hat alles verändert. Heute helfe ich Menschen, ihren eigenen Weg zu finden und ihre Stärken zu nutzen, statt gegen sich selbst zu kämpfen. Own Your Path.